Rebecca Sommer: Herzblut einbringen, auf Augenhöhe helfen

Artikel in Berliner Akzente

Von Anette Leyssner

Rebecca Sommer rührt einen Kuchenteig während des Telefonats – sie mischt Zutaten nach dem Rezept einer Roma aus Serbien, mit einem Extra-Tipp von einer Syrerin: Statt Fett wird Tahin verwendet, eine Sesampaste. „Das ist der beste Kuchen überhaupt“, sagt sie. Er bestätige ihre Überzeugung: „Mischen ist gut!“

Die Menschenrechtsaktivistin war lange in New York Sprecherin der Interessenvertretungen indigener Völker bei den Vereinten Nationen. „Ich komme aus dem internationalen Bereich, jetzt wollte ich lokal tätig sein“, sagt sie. Daher gründete sie in ihrem Kiez in Treptow-Köpenick die Initiative „Arbeitsgruppe Flucht + Menschenrechte“ (AG F+M). „Ich bringe Herzensblut ein: Kämpfen kann ich, und andere animieren“, sagt die Frau mit entschlossener Stimme. Eines ist ihr besonders wichtig: „Auf Augenhöhe helfen. Wir unterstützen die Flüchtlinge, ihren Weg zu gehen.“

Auch Kochkurse fuer Kinder gehoert zum Engagement der Arbeitsgruppe Flucht+Menschenrechte

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Mit diesem Ziel gibt Sommer selber unter anderem Deutschunterricht. Andere Ehrenamtliche helfen beim Ausfüllen von Formularen oder geben Kindern Nachhilfe. „Da sein, wo Not am Mann ist“ ist das Anliegen der AG F+M. „Dazu zählt auch, zusammen zu Behörden gehen, um Interessen der Flüchtlinge zu vertreten.“ Im Alltag der AG F+M geht es keinesfalls immer nur um Problembewältigung. „Wir brechen beispielsweise gemeinsam das Fasten nach dem Ramadan, oder kochen einfach mal zusammen.“

Diese privaten Begegnungen haben bei Sommer allerdings auch zu traurigen Erlebnissen geführt. Nachdem sie einige neue Freunde zu sich nach Hause eingeladen hatte, gab es eine Beschwerde bei der Hausverwaltung, dass sie „Fremde“ ins Haus geholt habe. „Das wäre nicht passiert, wenn meine Freunde blond und blauäugig wären“, ist Sommer überzeugt.

AG F+M Rebecca Sommer Neukoelln OpferfestDoch die positiven Erfahrungen überwiegen. Generell beeindruckt Sommer bei den Neuankömmlingen deren Einstellung: „Da ist nicht das Negative im Vordergrund, wie das bei Deutschen so ist. Sie sind bereit, das Positive an allem zu sehen.“ Was wünscht Sommer sich von ehrenamtlichen Mitstreitern? „Keine Eintagsfliegen“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Sie sollen Interesse haben, sich kontinuierlich einzubringen.

Ein zweiter Punkt ist Sommer wichtig: ‚Kaffee & Kuchen‘- Nachmittage seien nett, gingen aber oft an den Bedürfnissen vorbei. Insbesondere viele Syrer seien gebildet: „Die wollen auf die Beine kommen, ins Berufsleben einsteigen. Da brauchen sie keine Unterhaltung, sondern Deutschunterricht, Stipendien und Hilfe eine Arbeitsstelle zu finden.“ Sommer freut sich, wenn sich Berliner bei ihr melden, die die AG F+M unterstützen wollen.

 

KONTAKT: arbeitsgruppe_flucht+menschenrechte@lists.riseup.net

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