Bericht über AG F+M Kochkurs „Afghanische Küche mit Kochlehrer Nasser und Malalei“

AG F+M Fluechtlingskochkurs-Afghanistan-Malalai-815.00 Uhr soll der Kurs beginnen. Um diese Zeit wird in Deutschland Kaffee serviert und Kuchen aufgedeckt. Gäste nur mit Kaffee und Kuchen zu empfangen wäre in Afghanistan undenkbar. Auch wenn plötzlich 12 Verwandte oder Freunde sich unangemeldet bei einem einfinden, wird eifrig gekocht, ein großes viereckiges Tuch im Zimmer ausgebreitet, jeder setzt sich auf den Fußboden hin und aus der Küche kommt eine lange Schlange von unterschiedlichen Gerichten. Von jeder Speise müssen immer mehrere Varianten aufgetischt werden: Jeder soll etwas nach seinem Geschmack finden, richtig satt werden und danach noch einen Nachschlag bekommen.

AG F+M Kochkurs: . .danach Bonjon

AG F+M Kochkurs: . .danach Bonjon

Getreu dieser Tradition haben Nasser und Malalei nicht für ein Dutzend Personen eingekauft, sondern für mindestens 40. Schließlich fühlen sie sich hier als Repräsentanten ihres Landes, ganz spontan geben sie ein Beispiel für die Großzügigkeit in der afghanischen Gastfreundschaft.
So stehen um 15.00 Uhr bereits Berge von grünem Salat, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Auberginen, Tomaten, es liegen ganze Büsche von Petersilie, frischer Minze oder Koriander auf den Tischen. Die ersten Kursteilnehmer setzen sich ohne weitere Anweisungen an den Tisch und während sie munter schälen, schnipseln und zerhacken, entwickeln sich die ersten Gespräche untereinander und noch etwas zaghaft mit den Kochlehrern.

AG F+M Fluechtlingskochkurs-Afghanistan-Malalai-7Man guckt sich auch das angeschlagene Menü an und rätselt darüber, was Rabuli sein soll oder wie wohl eine afghanische Suppe Lübi Sopa schmeckt. Bald geht es aber in die Küche, wo mit dem Dessert angefangen wird (Ferni eine Art Pudding mit Rosenwasser und Kardamom), weil es bis zum Essen kalt werden soll. Die kunstvoll mit Erdbeeren und Kiwis dekorierte Creme ist aber bald in Gefahr. Besonders dem dreijährigen Sorab hat sie es angetan, man muss sie in den Kühlschrank retten.

Ein Kursteilnehmer beginnt dann als Ausgleich mit beiden Kindern Papierflugzeuge zu basteln, die bis an die Decke fliegen, im großen Raum wird gerannt, auf Stühle geklettert, Flugzeuge von den Schränken runtergeholt, gejubelt. Dagegen herrscht in der Küche große Konzentration, es zischt und dampft und duftet. Handys werden gezuckt, die verschiedenen Arbeitsschritte dokumentiert, die Mengen registriert.

AG F+M Fluechtlingskochkurs-Afghanistan-Malalai-1Nach einer Weile duftet es wunderbar und die beiden Kochlehrer mobilisieren immer besser ihre Deutschkenntnisse, um die Fragen zu den Rezepten aber auch zu ihrer eigenen Situation zu beantworten. Wer sich einen Moment hinsetzen will, puzzelt mit den Kindern oder erkundigt sich bei der ehrenamtlichen Begleiterin der Familie über Wohnsituation, Beschaffenheit der Deutschkurse. Rollenverteilung in dem Paar oder Integration der Kinder in Kita und Schule.
Etwas später als vorgesehen – das Backen eines Brotes für jeden nahm viel Zeit in Anspruch-, wird serviert, es passen nicht alle Gerichte auf die langen Tische.

AG F+M Fluechtlingskochkurs-Afghanistan-Malalai-3Vieles bleibt in der Küche, die Riesentöpfe sehen noch voll aus mit dem leckeren Hähnchen-Paprika-Gericht Mork (oder Morgh) Digl, dem Bonjon (oder Badenjan) – den gebratenen Auberginen mit herzhafter Joghurt-Knoblauch-Soße. Alles wird gelobt, ganz besonders aber das Rabuli (oder Kabuli /Khabuli) das afghanische Nationalgericht Reis mit Lamm, Möhren und Rosinen, von dem zum Schluss noch mehrere Portionen nach Hause mitgenommen werden.

AG F+M Fluechtlingskochkurs-Afghanistan-Malalai-6Nasser und Malalei selbst sind untröstlich: „Der Reis war gaaanz schlecht! Wir können es viel besser!“ Und trotzdem strahlen die Beiden, die schüchterne Malalei mit ziemlichen Sprachhemmungen sagt als Erstes, sie will es nochmal machen! Dann, schwört sie, würde der Reis aber bestimmt besser werden! Und Nasser kann nicht aufhören, sich übers ganze Gesicht zu freuen: „Es ist doch viel besser als im Kurs, wo man immer nur lesen und schreiben soll. Es ist so schön zu sprechen! Man lernt auch mehr dabei. Und die Leute waren so nett, alle!“

siehe auch: AG F+M: MÄRZ – KOCHKURSPLAN (Flüchtlinge geben Kochkurse)

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