AG F+M Teilnahme an Bassam Tibi’s Vortrag „Europa ohne Identität? Europäisierung oder Islamisierung“

Mitglieder unserer AG F+M trafen heute Bassam Tibi und nahmen an seiner Buchvorstellung „Europa ohne Identität?
Europäisierung oder Islamisierung“ teil.
Der Islamwissenschaftler Bassam Tibi hat einst den Begriff des „Euro-Islam“ geprägt. Er glaubte lange daran, dass der Islam von diesem Kontinent aus reformiert werden könnte. 2016, 25 Jahre später, sagt er: Diese Hoffnung muss ich begraben. Der gebürtige Syrer Bassam Tibi sieht keine Chancen mehr für einen europäischen Islam. Im Magazin Cicero (Juni-Ausgabe) schreibt er, dass der „Kopftuch-Islam“ über den „Euro-Islam“ gesiegt habe: „Den Euro-Islam wird es nicht geben. Ich kapituliere.“

Bassam Tibi: Europa ohne Identität?
Europäisierung oder Islamisierung

Angesichts der Herausforderung durch die Aufnahme von hunderttausenden Flüchtlingen aus dem islamischen Raum und des Umgangs mit den aktuellen Migrationsbewegungen rückt das gestörte europäische Selbstverständnis, die europäische Identitätskrise, immer verstörender ins Bewußtsein. Welche Werte, welche Bürger-Identität, welche Identifikation bietet Europa Flüchtlingen an, die eine neo-absolutistische Weltanschauung vormoderner ethnisch-religiöser Prägung mit nach Europa bringen?

Bassam Tibi diagnostiziert die Vorherrschaft eines Narrativs, das vor lauter Kultur- und Werterelativismus keine Unterscheidung zwischen Toleranz und Selbstverleugnung mehr kennt. Er stellt der mit absolutem Anspruch vorgetragenen Gesinnungsethik aktueller deutscher Politik eine Besinnung auf und ein Eintreten für das entgegen, was Europa zivilisatorisch ausmacht: Eine europäische Kultur, die auf Vernunft und Aufklärung fußt und daraus, mit ausdrücklich universellem Anspruch, unverhandelbare und individuelle Menschen- und Freiheitsrechte ableitet, für sie aktiv eintritt – und sie zugleich entschieden gegen antidemokratische Ideologien verteidigt, die durch ihren totalitären Anspruch Demokratie, Freiheit und die offene Gesellschaft als solche bedrohen und akut gefährden.

Bassam Tibi, Jahrgang 1944, wuchs in Damaskus auf und lernte bereits als Kind den kompletten Koran auswendig. 1962 kam er nach Deutschland, wo er Sozialwissenschaft, Philosophie und Geschichte studierte – unter anderem bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Mit 28 Jahren wurde er Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen. Tibi lehrte und forschte u.a. an der Universität Göttingen, in Harvard, an der Cornell University (Ithaca, New York), in Berkeley und Yale; daneben hatte er mehrfach DAAD-Gastprofessuren in Afrika und Asien inne. Seit 2014 hat er seine Lehrtätigkeit in Göttingen als Professor emeritus wieder aufgenommen.

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